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Frauenfussball _Geschichte des Frauenfußballs in Österreich
Geschichte des Frauenfussballs in Österreich


Fußball spielende Frauen haben in Österreich eine lange, wenn auch inoffizielle, Tradition. Schon um 1905 finden sich in Sportzeitungen Fotos von Fußballerinnen und in Floridsdorf soll es ein Damenteam mit dem Namen ‚Tipp-Topp’ gegeben haben. Es ist zu vermuten, dass Frauen seit dieser Zeit stets fußballerisch tätig gewesen sind, sei es in informellen Teams oder in Hobbymannschaften gemeinsam mit Männern. Die Medien und die Öffentlichkeit haben davon freilich nur selten Notiz genommen.

 

So lud im Jahr 1923 die Zeitung „Der Montag“ Frauen zu Probetrainings unter Leitung des Teamspielers Ferdinand Swatosch ein. 160 fußballbegeisterte Frauen, von denen schließlich 43 ausgewählt wurden, folgten dem Aufruf. Und auch wenn diese Initiative bald erlahmte, finden sich dennoch in den 1920ern immer wieder Hinweise auf fußballspielende Frauen, deren Können, so hieß es in den Medien, darauf hinweise, dass sie „schon seit längerer Zeit trainieren“. Begleitet wurden die Berichte allerdings von einem Kanon biologischer, medizinischer und moralischer Einwände gegen den Frauenfußball.

 

Im Jahr 1935 verkündete der Sport-Telegraf neuerlich die Gründung von Fußballklubs für Frauen. Sie trainierten unter Leitung des Radprofis Ferry Dusika. Im Oktober fand ein erstes Match zwischen dem DFC Austria und dem DFC Wien statt. Vor über 3000 Zuschauer_innen nahm Matthias Sindelar den Ankick vor. Publikum und Zeitungen waren begeistert. In der Folge wurde eine „Österreichische Damenfußball-Union“ gegründet, die eine Liga mit neun Klubs ins Leben rief. Diese damals weltweit einzige Fußballmeisterschaft für Frauen litt zwar am Verbot, auf Verbandsplätzen zu spielen, dennoch hielt sich der Frauenfußball in Wien bis zum Herbst 1938, also auch über den „Anschluss“ hinaus.

 

Eine Wiederbelebung erfolgte erst 1948 und dann wieder 1957, als in Österreich wieder etliche Fußballspiele von Frauen stattfanden und große Zuschauermengen anlockten. Trotz erneutem Verbot des ÖFB, Sportplätze zur Verfügung zu stellen, kam es im Sommer sogar zum ersten Frauen-Länderkampf (gegen die BRD in Wien) und einem Retourspiel in Salzburg. Es diente den Österreicherinnen als Vorbereitung für die Teilnahme an einer inoffiziellen Frauenfußball-EM in Berlin, deren Veranstalter allerdings bald vor Gericht landeten.

 

Im Jahr 1963 entstand dann aus einer Gruppe von Handballerinnen das Frauenfußballteam Schwarz-Weiß, das sich Union Landhaus anschloss und einige Nachahmer fand. Zum anderen etablierte sich 1968 ein Damenfußballverband mit knapp 10 Teams. Zwischen den beiden Gruppen gab es heftige Querelen. Die Landhaus-Gruppe legte Wert auf sportliche Qualität, während der Verband seine Spiele als Show für Männer vermarktete. Der Streit eskalierte, bis im April 1971 der ÖFB die Landhaus-Frauen in seine Struktur aufnahm. Das war der Beginn des legalen Frauenfußballs. Die Folge war ein Boom an Frauenteams, 1973 gab es schon 200 Teams mit 5000 Spielerinnen.

 

Text: Matthias Marschik: Frauenfußball und Maskulinität. Geschichte-Gegenwart-Perspektiven. Münster 2003.

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